Das erste Zeugnis über Morciano ist der bajuwarische Kodex, und zwar das Buch der Investituren, die die Kirche Ravennas im 8., 9. und 10. Jh. über ihre Grundstücke in Rimini, Senigallia, Osimo, Urbino, Pesaro und Montefeltro verlieh. Benno Pennone, Lehensherr von Morciano, hinterließ die Stadt 1014 seinem Sohn Pietro als Erbschaft, der seinerseits sie dem Heiligen Pier Damiani schenkte. Zur Erinnerung dieses Ereignisses wurde 1069 das Kloster San Gregorio gegründet (davon kann man heute die äußerliche Struktur sehen, weil es in einem Bauernhaus verwandelt wurde). In der Descriptio Romaniole (1371), wird das Gebiet von Montefeltro, wegen der ständigen zerstörerischen Überschwemmungen des Flusses Conca, als ein kleines halb verlassenes Dorf beschrieben. Dennoch war die Stadt sehr gestritten, weil sie ihren Reichtum der vielen Märkte und der Zollsätze verdankte. Am Ende des 12. Jh. sind das Dorf und der Markt der Stadt Montefiore unterworfen, während den Rest blieb unter San Clemente. 1827 beendet die Untertänigkeit von Montefiore durch die Bulle vom Papst Leone X. und die Stadt wird mit dem Gebiet der Nachbarstadt S. Clemente eingegliedert. Nach der Einheit Italiens stützte sich die Wirtschaft von Morciano hauptsächlich auf die Landwirtschaft und die Halbpacht. Neben dem Markt fanden hier auch Messen statt: die wichtigste war diejenige von S. Gregorio am 21. März (Frühlingsäquinoktium), die schon seit 1200 bekannt war. Diese Messe war nicht nur die Gelegenheit, um Vieh oder Landmaschinen zu verkaufen, sondern auch der richtige Augenblick für die Anbetung der Magna Mater, der Göttin der Fruchtbarkeit. Märkte und Messen fanden auf dem Piazza del Popolo statt, der einmal breiter war als jetzt, weil die öffentlichen Gebäude und das Rathaus noch nicht gebaut worden waren. Man hatte aber sehr früh aus Gesundheitsgründen das Bedürfnis, die Waren in verschiedenen Orten aufzuteilen: daher richtete man einen Rindermarkt ein, während die anderen Produkte immer noch auf dem Platz verkauft wurden. In Morciano gab es auch einen Markt von Saat und Seidenkokonen, die auf der gleichen Stelle erzeugt und verkauft wurden, wo 1929 das Rathaus entstand. |